In eigener Sache … von Hans-Jürgen John

Im Menüpunkt “Europa” hatte Johntext am 07.Oktober 2011 unter dem Titel “Verschuldung als Chance” geraten, den Griechen die Hände zu reichen und ihnen aus der Schuldenkrise zu helfen. So ist es gekommen. Die Hilfe für die Griechen wurde mit ihrem Entscheid in der Eurozone verbleiben zu wollen belohnt.

Nun meldet die renommierte “Neue Zürcher Zeitung” (NZZ) in ihrer Sonntagsausgabe vom 24.Juni 2012 unter dem Header “Die Europäische Union plant den politischen Befreiungsschlag”: “Den EU-Staaten steht ein entscheidender Gipfel bevor. Um den Euro zu stabilisieren, soll die Union neu konstruiert werden – mit Banken-, Fiskal- und Wirtschaftsunion.”

Der Status eines Europa, welches sich auf eine Zusammenarbeit in den Bereichen Umwelt, gemeinsame Währung und Verbrechensbekämpfung beschränkt ist Vergangenheit. Es scheint so, als würden die EU-Staaten unter dem Druck der Schuldenkrise nun als gangbaren Ausweg nationale Kernkompetenzen nach Brüssel verlegen wollen.

Johntext dazu vor ca acht Monaten: “Zum anderen würde die Aktion Geld gegen Verlegung von Kompetenzen nach Brüssel die europäische Idee stärken.”

© 2012 Hans-Jürgen John

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Die Ursachen und Folgen politischen Handelns (1) von Hans-Jürgen John

Die Ursachen und Folgen politischen Handelns (1)

Kontinuität oder Experimente

Politik ist spannender als jeder Thriller. „Trockene Materie“, dachte ich früher. Inzwischen erahne ich unter und hinter den nüchternen, schwarzen Buchstaben des politischen Teils jeder Tageszeitung und dem abendlichen, sachlichen und ermüdenden Tonfall der Nachrichtensprecher die elektrisierende Erotik der teilbaren politischen Macht.

Anders als in jedem Actionfilm sitzen die Akteure ruhig und scheinbar gelassen vor den Mikrofonen und Fernsehkameras. Mit knappen, leicht verständlichen Worten tragen sie Fakten und ihre Meinung vor. Es geht um die Verwaltung der Zutaten zum Wohl des Volkes. Gesetze, Steuern, Abgaben und die innen- und außenpolitischen Weichenstellungen und Entscheidungen. Und doch spielen sich hinter den Fassaden unbewegter Gesichtszüge Gedanken ab, die taktieren, spekulieren, machtvoll sind und ganze Krimiserien in den Schatten stellen würden, könnte man sie ungefiltert mitstenografieren.

Nach außen hin ist für die Bürger Einfaches klar ersichtlich. Es geht um folgende Fragestellungen: Welche Gesetze dürfen wieweit die Bürger einschränken oder ihre persönliche Freiheit und individuelle Initiative fördern?
Sollen Steuererleichterungen die Firmen entlasten, um sie international wettbewerbsfähig zu halten? Oder soll die Steuerlast steigen, um die Staatskasse zu füllen? Dann könnten die Bürger mit Fiskusgeschenken positiv auf die nächsten Wahlen eingestimmt werden.

Oft setzt sich letztere Denkweise durch. Immerhin kann sich Geldausschüttung oder Steuerentlastung bei kurzen Regierungsperioden erquickend auf die Wahlergebnisse der jeweils regierenden Partei auswirken. Eine auf kurzfristige Resulate ausgerichtete Politik ist die Folge zu kurzer Regierungsperioden. Schuldenberge werden angehäuft. Es gilt mit Geld die Wirtschaft anzukurbeln. Langfristiges, nachhaltiges politisches Handeln steht hintenan.

Und schon sind über die eigentlichen Ursachen bei einer der Folgen einer Politik kurzfristiger Ziele angelangt: Der Eurokrise. Die Eurokrise ist eine Schuldenkrise. Sie offenbart die Schwächen politischer Systeme, die auf Wahlerfolge fokussiert sind. Kommt nach vier Regierungsjahren die Opposition an die Macht, vergeht wertvolle Zeit. Schließlich werden erst mal etliche Entscheidungen der Vorgängerregierung wieder rückgängig gemacht.

Leicht ist es, die politisch Handelnden mit einer Schulklasse in Chemieunterricht zu vergleichen. Es wird mit verschiedenen Stoffen experimentiert. Die Folgen können nur wenige Spezialisten übersehen. In diesem Fall der Chemielehrer. Das Experimentierfeld einer durch Wahlkämpfe unterbrochenen Politik, sind die Hoffnungen und Nöte der Bürger.

Wie nachhaltig und erfolgreich Politik sein kann, zeigt das Beispiel der Regierung Helmut Kohl.
Die Wiedervereinigung, die Einführung des Euro als gemeinsame Währung und damit ein Zusammenwachsen von Staaten unterschiedlicher Landessprachen kamen nur zustande, weil die Wählerinnen und Wähler dem gemütlichen Riesen aus der Pfalz vertrauten. Viele Nachteile kurzer Wahlperioden wurden außer Kraft gesetzt. Mehrmals wurde Helmut Kohl wiedergewählt.

Fazit von Johntext:
Darum hier und jetzt die Bitte von Johntext an die Wählerinnen und Wähler: Setzen Sie auf Kontinuität! Regierungswechsel bringen Unsicherheiten in die Innen- wie in die Außenpolitik. Die Wirtschaft hält sich mit Investitionen zurück. Der Arbeitsmarkt stagniert. Akienkurse fallen.

Reden Sie mit dem Abgeordneten ihres Wahlkreises! Machen Sie sich kundig über die Vor- und die Nachteile längerer zeitlicher Abstände zwischen den Bundestagswahlen.

Für ein Ende der Schuldenpolitik in verschiedenen europäischen Ländern gibt es ein effizientes Mittel: neben der Verlagerung von politischen Kernkompetenzen aus den Mitgliedstaaten nach Brüssel die persönliche Haftung der verantwortlichen Politiker in finanzieller als auch strafrechtlicher Hinsicht!

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Die Lüge neben der Wahrheit und der Klarheit von Hans-Jürgen John

Die Lüge neben der Klarheit und der Wahrheit

Inspiriert durch Werner Theis: “Klarheit und Wahrheit” / 6. Juni 2012 auf www.tage-bau.de

Die Wahrheit und die Klarheit. Die gingen einmal zusammen zur Lüge. Gemeinsam sind wir stark! Fühlten und dachten sie ohne Argwohn. Der Lüge werden wir es schon zeigen!

Gerade vor der Dönerbude in Berlin-Mitte sahen sie sie wieder. Die Wohlbekannte und so wenig Geschätzte und doch so oft Bemühte. “Dönerfleisch ist das Beste überhaupt! Es kommt gleich nach Filet. Manche meinen noch davor!” Sagte der Ladenbesitzer und ließ die Hackfleischrechnung zusammengefaltet unter den Hunderteuroscheinen in der Kasse verschwinden. “Wirklich? Das ahnte ich schon immer! Was so gut schmeckt, muss gesund sein!” Sagte der Kunde, streifte das Fladenbrot in seiner Hand, den Salat mit der Joghurtsoße und der vermuteten Fleischfüllung darunter mit hungrigem und zufriedenem Blick, bezahlte, dankte und ging hinaus in das Schneetreiben, welches der redaktionseigene Wetterfrosch am Morgen noch als Sonnenschein bei 27 Graden angekündigt hatte.

“Sollte ich meiner Frau heute Blumen bringen? Oder nimmt sie dann erst recht einen Seitensprung an?” Alles konnte richtig oder falsch ausgelegt werden, hatte erst einmal das gutmütige Vertrauen die Beziehung verlassen. Der gut aussehende, bestgekleidete Mittfünfziger entschloss sich, bei seiner Sekretärin vorbeizusehen. Zuvor würde er noch seinen besten Freund anrufen, um sich für alle Fälle ein Alibi zu besorgen.

Die Klarheit und die Wahrheit waren sprachlos. Wie konnten sie der Lüge gegenüber bestehen? Die Lüge war dermaßen aktiv, attraktiv und allgegenwärtig. Sie versprach Vorteile, wo von Ehrlichkeiten und Direktheiten nur Langeweile ausging. Die Lüge war die kecke Blondine unter den ruhigen, anständigen Brünetten. Immer auf dem Sprung. Immer bereit, interessierte Männerblicke auf sich zu ziehen und zu binden. Die Lüge war der Bodybuilder mit den Muskelblähungen. Mehr Schein als Sein und doch so attraktiv, dass es der Wahrheit und der Klarheit die Neidglut bis unter die Haarwurzeln trieb.

“Und doch”, die Wahrheit hob den beweisenden Zeigefinger, “was wären wir ohne unser Gegenteil, die Lüge? Sie begleitet uns und wir ziehen mit ihr umher. Mitunter verwechselt man uns mit ihr. Und es sind gewaltige Anstrengungen nötig, um uns von ihr zu trennen, kamen wir ihr zu nahe.”
„Richtig“, die Klarheit nickte begeistert. „Die Lüge hat eine wichtige Aufgabe. Sie zeigt den ehrlichen Menschen die unreifen und hilfebedürftigen Mitmenschen. Es ist, als würde die Lüge die Menschen, die sie benutzen und sich von ihr begleiten lassen wie mit Farbe markieren. Unehrliche Menschen versuchen, jede neue Unwahrheit im Augenblick der Entdeckung mit dem entlarvenden Mantel einer weiteren Lüge zu bedecken. Sie heben sich gegen ihre Umgebung wie der Mohn in der Heide ab. Unverwechselbar. Gefangen in ihrer Welt, die sie sich wortreich und nervös teils mit rauchgeschwängerten Worten erschaffen und dabei durstig und sehnsüchtig auf die labende Wahrheit schielen, die geduldig unerreichbar und unscheinbar um ihren geraden Lebensweg weiß und ihn geht.”
Die Wahrheit wiegte nachdenklich den Kopf. “Wenn die Lüge den Menschen so viel Schlechtes bringt. Wieso kann sie dann trotzdem überall Fuß fassen, wie das Unkraut neben der Kartoffel gedeiht, ja sie noch überwuchern möchte?“

Die Klarheit nickte geduldig. „Auch der Wind kennt weder gut noch schlecht, weder nützlich noch überflüssig. Er transportiert alle Samen. Doch gäbe es das Unkraut nicht. Wir würden die Nutzpflanzen weniger lieben. Gäbe es die Lüge nicht, wer käme auf die Idee uns, die direkte Wahrheit und die unbestechliche Klarheit einzuladen, als gern gesehene Gäste willkommen zu heißen und zu schätzen? Die Nacht braucht den Tag, um sichtbar zu werden. Das Licht braucht die Gegenstände, auf die es treffen darf, um jede Fläche und jede Farbe in Helligkeit zu baden. Wir brauchen die Lüge in unserem Schatten, um mit Wohlwollen von guten Menschen gerufen zu werden. Wasser verdunstet ohne die Hitze des Feuers nicht. So schätzen wir die Lüge kaum. Doch wären wir ohne sie so unvollständig wie die Vergangenheit ohne die Zukunft. So sinnlos wie das Leben ohne den Tod. So wertlos wie die Gesundheit, ohne die allgegenwärtig drohende Krankheit.

Die Menschen können in den Supermarkt der Eigenschaften gehen und wie aus vielen möglichen Verhaltensweisen auswählen. Das Angebot ist groß und überwältigend. Sie werden müde dabei. Zu viele Entscheidungen in zu kurzer Zeit. Und ist die Müdigkeit nicht der Schutz vor zu viel Sensibilität? Eine Gnade, die uns per Schlaf gewährt wird. Gäbe es den Mond nicht mit seiner von Meteoriteneinschlägen zerfurchten, trostlosen Oberfläche, wir würden die Erde, diesen wunderbaren blauen Planeten weniger schätzen. Und so wohnen in uns die selbstlose Liebe neben dem egoistischen Hass, der überflüssige Zorn neben der wertvollen Nachsichtigkeit und die willkommenen Glücksgefühle neben den Nervenzellen, die Pein und Schmerz an das Bewusstsein melden und bisweilen zusammen mit der Ohnmacht ausschalten.“

„Dann lassen wir sie also gewähren, die Unermüdliche. Ohne die Lüge sind wir nichts und ohne uns ist sie weniger.“ Die Klarheit und die Wahrheit nickten ergeben einander zu. “Und den Menschen empfehlen wir unsere Kollegin, die Wahl. Wählen sie die Wahrheit, so wählen sie den Glauben daran mit. So wie der Lügner den Glauben an seine Worte im Gegenüber herbeisehnt, so begleitet er notgedrungen früher oder später sein Spiegelbild, den ehrlichen Menschen über die Wahrheit ohne Vorbehalt und vertrauensvoll zur Klarheit.”

© 2012 Hans-Jürgen John

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