Jeder kann ein Held sein! von Hans-Jürgen John

Was haben Sylvester Stallone, Chuck Norris, Will Smith, Steven Seagal, Bruce Willis und Jean-Claude van Damme gemeinsam? Klar, sie machen Filme, sind populär und bekannt wie die berühmten bunten Hunde. Für unsere Unterhaltung retten sie immer wieder mal ihre Ehre und Menschenleben. Sie bewahren ganze Städte vor der Willkür von Terroristen und retten sogar die Welt vor Zerstörung und Vernichtung.

Doch schalten wir den Fernseher ab oder verlassen wir das Kino, sind sie ausgeblendet. Wir sind wieder in unserer Welt, unserer Wirklichkeit, in der diese Helden der Leinwand nur Filmschauspieler sind und womöglich in ihrem ganzen Leben nicht einen Menschen vor dem Tod gerettet haben. Helden der Leinwand.

Wer möchte nicht selbst einmal ein Held sein, Großes vollbringen und sich aus dem Alltag hervorheben? Doch wie soll das gehen, ohne den Beruf zu wechseln und Feuerwehrmann, Arzt oder Polizist zu werden?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass es weltweit circa 1 Million Selbsttötungen pro Jahr gibt. Die Zahl der Suizidversuche wird 10 bis 20 mal höher eingeschätzt. Quelle: Wikipedia

Wo liegen die Gründe? Die existenziellen Grundbedürfnisse sind zumindest hier in Europa weitestgehend gedeckt. Die meisten Menschen hier haben Wohnung, Essen und Kleidung. Der Kampf ums tägliche Brot ist kein Kampf mehr wie vor Jahrzehnten und Jahrhunderten und Jahrtausenden. Die Dinge, die unseren Lebenswillen täglich herausfordern und trainieren sollen fallen weg.

Wir sind zu Menschen auf der Suche nach dem Sinn geworden. Die einen finden ihn im Glauben, die anderen in der Liebe zu einem Partner, den dritten genügt die Sorge um die Familie, um die eigene Existenz jeden Tag von Neuem zu bejahen. Wieder andere sind sich selbst genug und kämen nie auf die Idee dem Tod die Arbeit abzunehmen und an sich selbst Hand anzulegen.

Und doch kann jeder von uns so einfach seinem Leben eine Wendung, einen Sinn geben, wenn die Probleme überhand zu nehmen drohen und wir nicht weiter wissen und wollen.

Die Menschheit hat sich auf diesem Planeten nur aus einem Grunde gegen die anderen Arten durchgesetzt. Menschen haben die Möglichkeit Mitgefühl zu empfinden. Anderen zu helfen gibt vielen mehr Lebensqualität, als wenn sie nur sich selbst als Gegenüber hätten.

Nun gibt es jedes Jahr in Deutschland circa 10.000 Fälle von Leukämie. In vielen Fällen hilft nur noch eine Knochenmarkspende. Es ist sehr leicht, sich registrieren zu lassen. Infos bietet zum Beispiel in Deutschland die “DKMS” an. In der Schweiz bietet diesen Service Die Stiftung zur Förderung der Knochemarktransplantation an.

Wenn sie also auf der Suche nach einem Halt im Leben sind, wäre das eine Möglichkeit ihrem Leben einen Sinn zu geben. Sie können mit einfachsten Mitteln das Leben eines Menschen retten! Damit stellen sie die ganzen Filmstars auf der Leinwand in den Schatten. Ist bekannt, welcher von den Genannten sich als Knochenmarkspender registrieren ließ?

Es gibt nichts schöneres, als anderen Menschen zu helfen! Als Bruder eines Selbstmörders würde ich mir nie das Leben nehmen, denn ich weiss, wie viel Leid damit über die Angehörigen kommt. Entdecken Sie das Potential in sich anderen zu helfen. Es gibt viele Möglichkeiten Gutes zu tun. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

© 2013 Hans-Jürgen John

Hans-Jürgen John ist auf Twitter, auf Facebook und bloggt u.a. auf Johntext Schweiz.

Entschuldigung!

Es gibt Menschen, die machen andere fortwährend für ihr Scheitern im Leben verantwortlich. Es ist sehr viel leichter, als an sich selbst etwas zu ändern. Das Ich darf nicht in Frage gestellt werden. Das Ego könnte ja einen Kratzer bekommen. Neben dem Lack unseres liebsten Kindes – dem Auto – glänzen wir nach aussen am liebsten mit unseren Vorzügen. Mehr Schein als Sein?

Und doch sind wir unter der Oberfläche ängstliche, hungrige und verzweifelte Menschlein. Wir leben in ständiger Furcht vor dem Aussergewöhnlichen, das unser Leben über den Haufen werfen könnte. Wir sind hungrig nach Anerkennung und Aufmerksamkeit – nur so lässt es sich erklären, dass es Nobelpreisträger und Bankräuber gibt. Die einen erreichen Aufmerksamkeit gesellschaftlich akzeptiert und die anderen können und wollen nur im Negativen teuflisch glänzen. Und verzweifelt müssen wir erkennen, dass die Jahre vorüberziehen, ohne dass wir die Liebe oder das Glück mehr als temporär für uns interessieren können. Wie gut, dass es da die Möglichkeit gibt sich zu entschuldigen.

Wie sagt man Entschuldigung? Das kennt nun jeder. Wir rempeln auf der Straße unabsichtlich jemanden im Gedränge an und sagen durch “Sorry” oder “Entschuldigung”, dass es keine Absicht war.
“Entschuldigung” ist ein Wort. Genauer gesagt ein Substantiv.
Doch es ist viel mehr als das. Wir benutzen es als Schild gegen eine womöglich heftige Erwiderung unseres Gegenüber: “Sie blöder Kerl, alle meine Einkäufe liegen jetzt herum. Können Sie nicht aufpassen?”
Und je mehr und öfter wir uns am Tage entschuldigen müssen, umso leichter geht sie uns von den Lippen – die geduldige Allzweckwaffe. Ja, wir nutzen sie als Mittel, um unsere Mitmenschen uns gewogen zu machen. Jemand, der sich entschuldigt, kann kein schlechter Mensch sein.

Es beginnt im Kindesalter. Zufällig spiele ich mit dem gelben Schaufelbagger meines Freundes, als dieser kurz abgelenkt ist. Um eine Szene zu vermeiden, präsentiere ich den gelben Bagger auf ausgestreckter Handfläche und sage mit meinem schönsten Lächeln: “Gehört der Dir?” So geht es in einem fort.

Vor Gericht zeigt es Wirkung, wenn wir Reue zeigen und uns beim Opfer entschuldigen, sofern es noch am Leben ist. Das drückt das Strafmass für gewöhnlich. Entschuldigungen gelten als Reaktion auf eine von uns verursachte Aktion. Fast könnte man meinen, es ist ein Reflex geworden, sich durch Entschuldigungen von schuldhaftem Verhalten – unabsichtlich oder absichtlich loszusagen.

Manchmal plappern wir darauf los: “Du hast aber einen schönen Pullover. Hast Du den zu Weihnachten geschenkt bekommen?” Und schon sitzen wir mitten im Fettnäpfchen. Indirekt haben wir nämlich gesagt, der Pulloverträger hätte keinen guten Geschmack und der Pullover wäre nur deshalb so schön, weil er von anderen gekauft wurde. Hier kommt nun die Intuition ins Spiel. Bemerkt der andere das schräge Lob nicht als solches, würde eine Entschuldigung ihn nur auf unseren Fehltritt aufmerksam machen. Also halten wir lieber die Klappe und wechseln das Thema.

Wir können Entschuldigungen variieren. Das reduziert die Auffälligkeit wenn wir uns oft dieser Entschuldigungen bedienen. “Entschuldige vielmals.” “Ich muss mein Verhalten entschuldigen.” “Pardon.” “Verzeihung.”

Wenn wir um Verzeihung bitte, haben wir richtig Mist gebaut. Wir haben jemanden tief verletzt. Fremde, Freunde, Lebenspartner. Sind es Menschen, die uns nahe sind, so wiegt eine Verletzung doppelt schwer. Wir kennen sie und ihre Stärken und Schwächen und müssten eigentlich wissen, wie wir uns zu verhalten haben. Trotzdem haben wir ihnen wehgetan. Um Verzeihung bitten, reicht da nicht. Eine ausführliche Erklärung muss her. Nun beginnt die ehrlich gemeinte Schilderung der Ereignisse. Warum habe ich mich falsch verhalten? In welcher Lebenssituation war ich? Wie soll es weiter gehen?

Es gibt wohl Ereignisse, die nicht umkehrbar sind und daher nicht entschuldbar. Wenn großer Schaden entstanden ist oder Menschen umkamen, sind Entschuldigungen bei den Geschädigten oder den Hinterbliebenen der Opfer angebracht. Verzeihung kann kaum aufgebracht oder gewährt werden. Es gibt auch Fälle, in denen der Schadensverursacher selbst seine Handlung so gravierend einschätzt, dass er diese Schuld durch Selbstmord tilgen möchte. Das hieße, einen Fehler mit einem anderen ausmerzen zu wollen. Unnützes und unfaires Verhalten gegenüber den Mitmenschen und eigenen Angehörigen.

Und doch ist ein hochfrequentes Entschuldigungsverhalten ein Indiz, dass ein Mensch einfühlsam ist und es gerne harmonisch hat. Auf die Glaubensebene übertragen fühlen wir uns wie der Sünder im Beichtstuhl beim Priester. Wir möchten Absolution und Vergebung. Und wir sind glücklich, wenn wir sie gratis serviert bekommen. Und die Glaubensvertreter sind froh, wenn sie vergeben dürfen.
Was würde wohl geschehen, wenn wir alle Entschuldigungen abschaffen? Einfach so. Nur für einen Tag. Überall auf der Welt. Wären wir ohne diese allgegenwärtigen Verhaltenspuffer bessere Menschen? Wir müssten darauf verzichten, unser Verhalten entschuldigen zu können. Das heißt, wir würden aus Angst anzuecken und Aggressionen oder Konflikte auszulösen unser Verhalten konformistisch anpassen.

Was sind wir ohne Entschuldigungen? Vorsichtige und ängstliche Wesen, die vorausschauend durch das Beziehungsleben fahren und an jeder roten Ampel halten. Wir könnten kein Bedauern bei Fehlverhalten ausdrücken. Jedes falsche Wort wäre eine Wunde, die wir unseren Mitmenschen zufügen, ohne sie mit einem “Sorry” heilen zu können.

Was würde uns das zeigen? Die riesige Bedeutung dieser vierzehn Buchstaben und unsere Abhängigkeit vom Wohlwollen unserer Mitmenschen.

© 2013 Hans-Jürgen John

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Vorwärts fahren und in den Rückspiegel schauen! von Hans-Jürgen John

Ich bedauere sehr, dass ich nicht schon als Kind Tagebuch geschrieben habe. Zum einen hätte ich dann all die Geschehnisse, die zu mir und meinem Leben gehören en détail parat.

Zum anderen stelle ich mir vor, dass so manche Konfliktsituation in der Eltern-Kind-Konstellation sich leicht entschärfen ließe. Eltern lesen die Tagebücher ihrer Kinder und können so behutsam Schwerpunkte in der Erziehung anpassen. Nicht? Wie sollen sie dann wissen, welche Probleme ihr introvertiertes Kind beschäftigen? Geht hier die Privatsphäre oder der Schutz des Kindes vor? Letzteres.

Die schwierige Lebenssituation, in der beide Elternteile arbeiten (arbeiten müssen, weil ein Lohn kaum ausreicht, um die Familie zu ernähren) und ihre Kinder (sogenannte Schlüsselkinder) nach Hause kommen und alleine das Essen zubereiten oder gleich zu Mac Donalds gehen lässt wenig Spielraum für Experimente. Diese Kinder werden früh selbstständig. Die Gefahr, dass sie mangels Anleitung und Beschäftigung in schlechte Gesellschaft kommen ist gleichwohl hoch.

Sind beide Elternteile zu Hause, wenn die Kinder von der Schule kommen, ist dies auch nicht der Idealfall. Komplette Supervision und Anleitung den ganzen Tag hindurch verhindert, dass solche Kinder selbstständig werden.

Der ganze Tagesablauf wird mitunter überregelt. Ein solches Kind war ich.”Autoritär behütet” bin ich aufgewachsen. Dieser Begriff trifft meine Kindheit am ehesten. Ein Kind trägt schwer an autoritärer Strenge. Wie will es verstehen, dass es zu Hause über Büchern sitzen muss, während die Spielkameraden hinter dem Fußball hinterherjagen oder am Baggersee die Seele baumeln lassen? Und welchen Zweck soll es haben, über Büchern zu sitzen aber mit den Gedanken bei den Freunden in der Freizeit zu sein? Keinen.

Und doch bin ich meinem Vater dankbar. Ich bin kein oberflächlicher Typ geworden. Zu viel Tiefgang schadet nur in seichten Gewässern. Auf hoher See bringt hoher Tiefgang Stabilität ins Schiff und Sicherheit bei gewagten Manövern. Die Navigation in schwerer See fällt mir mitunter leichter als anderen. Schicksalsschläge drücken mich tief und belasten jeden Lebensmoment aber lassen mich nicht ertrinken. Ich bin stabil nach innen und labil nach außen. Umgekehrt wäre es schlimmer.

Immer wieder muss ich an die Aussagen meines Vaters denken. Er lebt weiter durch sie. Über die Schule meinte er immer und immer wieder: “Was Du gelernt hast, kann Dir niemand nehmen.” Als ich schon älter war, mussten wir einen Aufsatz über den Sinn von Sprichwörtern schreiben. Ich kam zu dem Ergebnis, dass sie zu allgemein gefasst seien, als das sie ungeprüft auf jede scheinbar passende Situation angewendet werden könnten. Und doch wären sie eine große Hilfe für jene Menschen, die steuerlos im Lebensmeer treiben und jede Boje als Rettungsinsel und Verschnaufpunkt sehen.

Die Aussagen meines Vaters waren situationsbezogen und nicht immer ernst gemeint. Tat ihm jemand einen kleinen Gefallen, so sagte er schalkhaft: “Gott wird Dir danken.” War es bei ihm an der Reihe etwas für andere zu tun, meinte er danach augenzwinkernd: “Mit einem Danke kann ich meine Kinder nicht verhalten.”

Auch zu Geschenken hatte er seine Meinung. “Nichts nehmen und nichts geben.” Ein um das andere Mal wiederholte er das, vor allem in der Vorweihnachtszeit. Geschenke waren für ihn ein Mittel, um Menschen sich gewogen zu machen, also überflüssig.

Wenn ich so zurückdenke, haben mir seine Aussagen so manches Mal geholfen. Mein Verhalten wurde davon beeinflusst. Immer nur nach vorne zu schauen ist nicht nur im Straßenverkehr gefährlich. Oft hilft der Blick zurück in die Vergangenheit und die Frage: Wie hätte sich meine Mutter / mein Vater in dieser Situation verhalten?

© 2013 Hans-Jürgen John

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Wegweiser durchs Leben

Wir beginnen jeden neuen Tag in der Gegenwart. Und wir nehmen jeden Tag ein wenig Erfahrung und Wissen und Ratschläge aus dem Erlebten in die nächsten Tage mit. Wir lernen. Ob wir es wollen oder nicht. Einen Teil des Erlebten dürfen wir vergessen, indem wir schlafen und Geschehnisse verarbeiten und am nächsten Morgen sind nur die wichtigsten Erinnerungen in unserem Bewusstsein parat, um uns durch die Anforderungen in Beruf und Privatleben zu schleusen.

Die wohl wichtigsten Bezugspersonen eines Menschen sind seine Eltern. Als Kind verbringt er viel Zeit mit ihnen und ahmt die Verhaltensweisen der Eltern nach und wird von ihnen geprägt.

Nun begegnen uns im Leben vielerlei Situationen. Wieso verhalte ich mich so, wie ich mich verhalte? Unverwechselbar. Als würde ich unsichtbaren Wegweisern und Hinweisschildern folgen. Ich stelle mir vor, dass meine Eltern diese Wegweiser oder Lebenshilfen in der Hoffnung aufgestellt haben, dass ich mich zur rechten Zeit ihrer erinnere.

Vor allem mein Vater hatte diese Art, von ihm erprobte Verhaltensweisen in kurze Sätze zu packen und sie bei passenden Gelegenheiten wieder und wieder vorzutragen. So war seine Sicht auf Frauen zwiespältig. “Eine schöne Frau gehört Dir nie alleine”, pflegte er zu sagen, wenn es in einer Fernsehserie um Liebe, Streit, Eifersucht und Seitensprünge ging. Aus heutiger Sicht versuche ich mir vorzustellen, dass er dies sagte, um mir auf dem weiteren Lebensweg zu helfen. Ich muss dazu sagen: Meine Eltern wurden nie geschieden.

Schöne Frauen sind bei den Männern begehrt. Mit einer unattraktiven Frau zusammenzuleben erhöht demnach – um es zu Ende zu denken – die Chance – mangels Konkurrenz – noch nach Jahrzehnten mit der gleichen Partnerin zusammen zu sein. Solchen Sprüchen zu folgen, ohne sie zu hinterfragen, kann aber auch in der Sackgasse Einsamkeit oder Unglücklichsein enden.

“Verliebe Dich nie in eine reiche Frau.” Dieser Satz alleine macht wenig Sinn, ohne meinen Vater und seine Ansichten zu kennen. Er war der Ansicht, dass eine Heirat, um den sozialen Status zu verbessern überflüssig sei. Der männliche Part würde von seiner Ehefrau abhängig und da sie immer denken müsste, ihr Partner habe sie aus finanziellen Gründen gewählt, sei die Verbindung im vorne herein mit einer Sollbruchstelle versehen und zum Scheitern verurteilt. Das hört sich rational an und es stellt sich die grundsätzliche Frage, ob Gefühle sich vom Verstand steuern lassen (sollten). Immerhin zeigt die Erfahrung, dass es viele glückliche Beziehungen auch mit grossem finanziellen Gefälle gibt.

© 2013 Hans-Jürgen John

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