Das Dichten von H.-J. John

Das Dichten

 

Das Dichten ist das nicht wie ausrichten? Was durcheinander geriet im Lauf der Zeit.

Das Dichten ist das nicht wie zuordnen? Was aus dem Regal fiel ganz ohne Beben.

Das Dichten ist das nicht wie bekochen? Was sonst zu hart wäre und zu gesund.

Das Dichten ist das nicht wie erleiden? Was uns tagtäglich quält und zählt.

Das Dichten ist das nicht wie befahren? Was sich mit Prosa nicht ebnen lässt.

Das Dichten ist das nicht wie ausdrucken? Was das Schweigen nicht lesen kann.

Das Dichten ist das nicht wie besingen? Was selten ist und umso wertvoller.

Das Dichten ist das nicht wie aufzählen? Was durch Reihung an Wert verliert.

Das Dichten ist das nicht wie aushusten? Was dann im Abfluss verschwindet.

Das Dichten ist das nicht wie erzittern? Was rühmlich ist und feige.

Das Dichten ist das nicht wie ausschwitzen? Was sich anstaut und belastet.

Das Dichten ist das nicht wie errichten? Was umzäunt war und ummauert.

Das Dichten ist das nicht wie zersägen? Was nun zum Hausbau dient.

Das Dichten ist das nicht wie begrenzen? Was unendlich in uns schlummert.

Das Dichten ist das nicht wie erreimen? Was nicht allen klar und sichtbar.

Das Dichten ist das nicht wie beleidigen? Was angespuckt noch lacht.

Das Dichten ist das nicht wie anschneiden? Was als Ganzes Kuchen ist und duftet.

Das Dichten ist das nicht wie auswaschen? Was im Schleudern Schaden nimmt.

Das Dichten ist das nicht wie erklären? Was uns umtrieb und dahin.

Das Dichten ist das nicht wie erdichten? Was vor uns liegt und dahinter.

Das Dichten ist das nicht wie erwähnen? Was uns gab das Heute, Gestern, Morgen.

Das Dichten ist das nicht wie erschlagen? Was uns schmerzt nun Tag wie Nacht.

Das Dichten ist das nicht wie entdecken? Was uns das Wort als Zeile gibt.

Das Dichten ist das nicht wie …

© 2010 Hans-Jürgen John