On My Own

Das Wochenende ist heran. Das Wochenende ist zwar sonst für Lebenshilfethemen reserviert, beziehungsweise das Nachdenken darüber. Aber heute wird mal alles was mit “Wie Du liebst”, “Wie Du mit Geld umgehst”, “Wie Du Probleme löst” und “Wie Du Ziele erreichst” zu tun hat verdrängt. Retten wir die Welt am nächsten Wochenende!

Fans werden wohl in Lindau sein und Lisa-Marie Fischer live erleben. Hier also die Youtube-Variante für alle, die unterwegs sind.

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Hans-Jürgen John ist auf Twitter, auf Facebook und bloggt u.a. auf Johntext Schweiz.

Martin Suters Neues Buch

Martin Suter MontecristoEin Autor, der einigermaßen bekannt ist, tut gut daran, eine Schlüsselszene seines Buches in die fahrenden Abteile des Lesevergnügens zu verlegen. Die Wahrscheinlichkeit, dass er von Via, dem kostenlosen Reisemagazin der Schweizerischen Bundesbahn interviewt wird ist groß. Und so nimmt es mich wenig Wunder, dass Martin Suter von der aktuellen Titelseite des Via seriös und ernst in seine Buchzukunft blickt und im Innenteil über sich, das Schreiben und sein neuestes Buch Montecristo plaudert.

Das neue Buch von Martin Suter ist in allen Buchläden und in aller Munde. Der Spiegelführt es an erster Stelle der Bestsellerliste. Fasse ich die Besprechungen einmal zusammen, so handelt es vom fehlenden Geld der Banken. An und für sich eine Aussage, die grotesk ist. Alles, worauf wir stolz sein können und alles, was uns finanziellen Halt und Sicherheit gibt, und das gesellschaftliche Leben am Laufen hält beruht auf dem Vertrauen, dass wir an den Schalter gehen können oder den Bankautomaten und unser Geld abheben oder es dort lassen.

Das neue Buch von Martin Suter heißt Montecristo.
Ein Journalist entdeckt zufällig zwei Geldscheine mit den gleichen Seriennummern. Todesfälle, Zufälle und Recherchen gipfeln im unausgesprochenen Fazit: Nur ein Bankrun kann zeigen, ob all das Geld der Menschen, dokumentiert auf immer neuen Kontoauszügen, tatsächlich vorhanden – oder längst durch falsche Anlagestrategien verloren ist?

Ein Banken-Run, also eine Panik unter den Bankkunden, die alle am gleichen Tag an den Schalter rennen und ihr Geld haben wollen ist der Albtraum jeder Gesellschaft in jedem Land dieser Erde.

Martin Suter spielt in seinem Buch mit der größten Furcht des Menschen nach den existenziellen Ängsten vor Tod und Krankheit – der Furcht vor dem finanziellen Super-GAU des Lesers: Ersparnisse weg, Pensionskasse weg, Bank pleite – und das im reichsten Land der Erde, der Schweiz. Ein Szenarium das in jedem Land dieser Erde denkbar ist.

Wir sind Überlebenskünstler. Wir ertragen geduldig jegliche Katastrophen in den Unterhaltungsmedien. Weltuntergangsszenarien in The Day After Tomorrow oder 2012. Horrorszenarien einer durch Virenbefall entmenschlichten Weltbevölkerung in I Am Legend. Komet auf Kollisionskurs mit der Erde wie in Deep Impact. Alles kein Problem. Schließlich können wir zwischen Fiktion und Wirklichkeit, zwischen Unterhaltung und Realität unterscheiden. Doch wie krass ist der Inhalt dieses Buches? Mir drängt sich der unbescheidene Eindruck auf, dass Martin Suter ein Fan oder zumindest Leser von Johntext Germany sein könnte.

Mehrmals äußerte ich in den letzten Jahren auf Johntext die Befürchtung, ob all das Geld, das sich in Zahlen so gut auf Kontoauszügen macht und uns in der wiederkehrenden und beruhigenden Regelmäßigkeit der Post von der Bank fast hypnotisierend in Sicherheit wiegt tatsächlich vorhanden ist.

Seltsame Dinge geschehen (1) – 30. September 2011:

https://www.johntext.de/wordpress/seltsame-dinge-geschehen-1-v-h-j-john/

„Wehe uns Sparern, wenn alle gleichzeitig an einem Tag zu den Banken laufen und ihr Geld abheben möchten. Es wird sich herausstellen, dass die Zahlen auf den Kontoauszügen die Schuld der Bank uns gegenüber belegen – keinesfalls aber die sofortige Auszahlung garantieren. Eine staatliche Garantie auf die Sicherheit der Spareinlagen? In Zeiten von drohenden Staatsbankrotten und Geberländern, die sich finanziell so selbst schwächen, ungenügend.“

Das Bedingungslose Grundeinkommen (2) – 11. Januar 2013:

https://www.johntext.de/wordpress/das-bedingungslose-grundeinkommen-2-von-hans-jurgen-john/

„Wenn Klara Müller das, was ihr monatlich übrig bleibt, zur Bank trägt und aufs Sparbuch einbezahlt, kann diese Bank davon Kredite vergeben. Klara Müller ist sich dessen nicht bewusst, dass sie dieses Geld möglicherweise im Notfall nicht ausbezahlt bekommt. Die Bank hat es verliehen. Tritt der Notfall XY ein – nehmen wir zum Beispiel eine Massenarbeitslosigkeit oder eine Wirtschaftskrise – und alle Menschen rennen am gleichen Tag zu den Banken, um an ihr sauer Erspartes zu kommen, trifft sie nach dem ersten Schock gleich ein Zweiter: Die Bank schließt wegen Zahlungsunfähigkeit.“

Gründe des gnadenlosen Wettbewerbs und die Folgen für unsere Wirtschaft  – 30. Dezember 2014

https://www.johntext.de/wordpress/gruende-des-gnadenlosen-wettbewerbs-und-die-folgen-fuer-unsere-wirtschaft/

„Bundeskanzlerin Merkel hat schon einmal eine finanzpolitische Katastrophe verhindert, indem sie öffentlich eine Staatsgarantie für die Spareinlagen der Bürger aussprach. So verhinderte sie, dass es einen Run auf die Banken gab. Es hätte sich herausgestellt, dass all das Geld, das sich auf wohlwollenden Kontoauszügen befindet keineswegs vorhanden ist und zur Auszahlung bereitsteht. Stattdessen ist es investiert und angelegt. Würden alle Bürger am gleichen Tag an den Bankschaltern auftauchen und um ihr Geld bitten, so wäre diese Gesellschaft, die auf Pump und Zins aufgebaut ist am Ende. Die Banken müssten schliessen. Das Vertrauen in die Politik und das Funktionieren der gesellschaftlichen Gewalten wäre zerstört.“

Der Roman bedient sich der Realität. Banken benötigen in der Schweiz eine Eigenkapitalquote von vier Prozent. Womit alle existenziellen Fragen, die dieser Roman im Leser aufwirft, beantwortet wären.

Infos zur Eigenkapitalquote in den Euroländern auf http://www.sparkonto.org/eigenkapitalquote-der-banken-ist-auch-interessant-fuer-sparer/. Zitat daraus: “Der Finanzmarkt kann wie ein Kartenhaus zusammenfallen, sollte eine große Bank Pleite gehen.”

Übrigens: Ich lag falsch mit meinen Kommentaren auf Johntext Germany. Es ist keine Frage oder Befürchtung. Es ist tatsächlich so, dass wir uns um Himmels willen untereinander absprechen müssen. Alle Menschen am gleichen Tag an den Bankschaltern und unsere Volkswirtschaft ist am Ende. Viel Spaß mit Montecristo von Martin Suter! Das unwahrscheinliche Ende des Buches verstärkt die Unruhe der LeserInnen ins Unerträgliche.

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Johntext Deutschland: Abonnenten

Bewerbungsphoto0002Neues vom Johntext ADMIN:

Aktuell sind 764 Abonnenten bei Johntext Germany registriert – ohne die Autorenaccounts. Das ist toll, wenn man bedenkt, dass ich nur ab und zu hier etwas poste.

Weitere Autoren aus der Bundesrepublik sind in den Startlöchern. Vielen Dank allen Fans und Supportern! Leider zählt jeder Counter nur neue Abonnenten und lässt die bisherigen aussen vor… werde ihn wohl wieder löschen…

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Im Auftrag Unterwegs

Ja. So war es. Richard Geiger sah in den blauen Himmel, als seine Augen starr wurden. Niemand nahm Notiz davon. Er war der Ermordete Nummer 239 in New York in diesem Jahr. Wobei ihm diesen Platz ein kleiner Ganove aus Brooklyn streitig machen wollte. Schwer zu sagen, wer zuerst vor seinen Schöpfer trat. Beide wurden erst spät von den Hütern der Statistik gefunden.

Der kleine Mann im Kofferraum des schwarzen Ford Mustang hatte angestrengt durch ein Guckloch neben dem Kennzeichen gespäht. Jetzt gab er das Klopfzeichen und hustete. Der Wagen fuhr an. Er hustete und hustete und konnte damit nicht aufhören. Dieser Husten war sein Begleiter. Dieser Husten war sein Markenzeichen. Dieser Husten würde ihn eines Tages versagen lassen und verraten. Der kleine Mann im Kofferraum hustete in sein rotblaues Hemd.

Er hustete sich die Seele aus dem Leib, wie man sagt. Er lächelte in die Dunkelheit des Kofferraumes hinein. Offenbar gab es mehrere Möglichkeiten eine Seele loszuwerden. Sich eine Kugel einzufangen oder einfach zu husten. Der kleine Mann musste lachen und sein Lachen vermischte sich mit seinem Husten. Der kleine Mann im Kofferraum hustete und er konnte nicht damit aufhören. Es ging langsam, dieses “Sich die Seele aus dem Leib husten”. Vielleicht war seine Seele zu groß, zu belastet und aufgebläht von all der Schuld an den Toten und Ermordeten? Vielleicht machte seinem Wissen um die große Schuld, die er als Einzelner auf sich geladen hatte, seinem Bewusstsein so wenig aus, dass sein Körper ihn wenigstens dafür zum Ausgleich peinigte?

Der kleine Mann im Kofferraum hustete und hustete und sein kleiner Kopf wäre sichtbar rot gewesen, hätte es Licht im Kofferraum gegeben. So wie es die Liebe oft nur braucht, bevor Menschen sich der unfassbaren Energie bewusst werden, die in ihnen wohnt, so braucht es das Licht bei diesem Husten des kleinen Mannes, bevor sich mit Gewissheit sagen ließe, der kleine Kopf des Mannes wäre krebsrot angelaufen. Der kleine Mann im Kofferraum hustete und hustete, bis sich kaum noch Luft in seinen Lungen befand und er noch kleiner war. Er lag seitlich. Er hatte die Knie angezogen. Und nun lag er dort wie ein Baby im Mutterleib. Nur dass er kein Baby war und der Mutterleib eindeutig ein schwarzer Ford Mustang. Das Husten hörte so plötzlich auf, wie es gekommen war. Der Husten hörte mit der Angst auf, entdeckt zu werden. Sie drei, der kleine Mann und der Husten und der Ford Mustang waren in Sicherheit.

Auszug aus Im Auftrag Unterwegs.

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12 Euro 59 Cent

oder

Der Flirt mit dem Geld

Ich habe mir über Geld nie Gedanken gemacht. “Es kommt und geht”, sagte mein Vater immer und erwähnte auch, “Hätte ich all das Geld, das schon durch meine Hände gegangen ist, wäre ich Millionär”. Mit philosophischen Betrachtungen allein kommen wir nicht weiter.

Es ist wohl so wie mit einer sehr guten Freundin. Ist sie um einen, gewöhnen wir uns daran, und erst wenn sie einige Zeit von uns getrennt lebt, wird uns ihr Wert bewusst.

So ist die Beziehung zu unserem Geld ähnlich. Je leidenschaftlicher wir mit ihm flirten, umso leichter lässt es sich an uns binden. Wehe dem, der offen zugibt für ihn wäre das Geld nur Mittel zum Zweck. Mittel, um sich all die schönen Dinge leisten zu können, die man zum Leben brauchen glaubt. Es könnte beleidigt sein und ihn in Zukunft meiden.

Der Flirt mit dem Geld. Wie soll das funktionieren? Geld existiert aber es spricht nicht. Geld fühlt sich gut an aber es wird nicht zärtlich.  Wir gehen mit ihm aus, zum Essen und ins Kino und doch fühlen wir uns in seiner Gegenwart nicht glücklich.  Wir gebrauchen es aber wir nehmen es nicht als wichtigen Bestandteil unseres Lebens wahr. Ist dies der kleine Unterschied, der darüber entscheidet, ob jemand reich wird oder arm bleibt? Versuchen wir den Flirt mit dem Geld.

So setzen wir uns hin, nehmen unseren Geldbeutel zur Hand und betrachten eingehend den Inhalt. Die Visitenkarten, die Konto- und Kreditkarten und das lächelnde Gesicht der Freundin interessieren die nächste halbe Stunde mal nicht. Und nehmen wir einmal an sie, entdecken 12 Euro 59 Cent darin. Stellen sie sich vor, was sie am liebsten damit machen würden. Das Kino fällt ihnen ein. Zweieinhalb Stunden einen Film schauen, entweder Action oder Liebeskomödie. Das würde ihnen heute Abend sehr gefallen.

Schauen sie wieder in ihren Geldbeutel und betrachten sie intensiv jeden Geldschein und jede Münze. Der Flirt mit den 12 Euro 59 Cent hat begonnen. Zärtlich berühren sie Ihren Geldschatz. Nein, Kino wäre zwar toll, aber sie lieben diese 12 Euro 59 Cent so sehr. Sie sind zu ihnen gekommen und sie vertrauen ihnen. Sie werden sie beschützen und für sie sorgen und das wird sich unter all den Geldscheinen und Geldmünzen dort draußen in der Welt herumsprechen und all diese wertvollen bedruckten und gedruckten kleinen Kunstwerke werden zu ihnen kommen und bei ihnen bleiben wie die Goldstücke zu Dagobert Duck.

So sitzen sie also im Wohnzimmer und träumen davon, wie sich die 12 Euro 59 Cent vermehren werden. Nehmen sie sie erneut liebevoll in die Hand – ihre 12 Euro und 59 Cent – bilden sie mit beiden Handinnenflächen eine Kugel und schütteln sie sie, sodass sie dem hellen Klang der Münzen lauschen können. Das ist die Sprache des Geldes, ein verruchtes Rascheln und ein fröhliches Geklimper.

Nach einer Viertelstunde Flirt legen wir den Geldschatz offen auf den Tisch. Es dürstet sie nach einer Tasse heißem, duftendem Kaffee und kaum zieht das Aroma aus der Küche ins Wohnzimmer, sagt ihnen ihr Geschmacksinn etwas Gebäck dazu wäre nicht schlecht. Sie schielen zu ihrem Geldschatz. Eine Packung Butterkekse für 2 Euro 44 Cent könnten sie sich locker leisten. Sie könnten schnell zum Laden an der Ecke und sobald sie zurückkommen, wäre der Kaffee noch immer heiß und die Butterkekse knusprig und süß.

Wieder betrachten sie ihre 12 Euro 59 Cent. Sie schütteln entschieden den Kopf. Diese Liebe kennt keine Kompromisse. Sie sind fest entschlossen ihren 12 Euro 59 Cent treu zu bleiben. Und irgendwo tief in ihnen spüren sie auf einmal was Menschen durchmachen, die es geschafft haben reich zu werden aber dafür jahrzehntelang auf ihr Kino und ihre Butterkekse verzichtet haben. Die Liebe zum Geld erfordert höchste Disziplin und Enthaltsamkeit in anderen Dingen.

Die ersten zwei Versuchungen haben sie glücklich überstanden. Ihre 12 Euro 59 Cent haben sich vom Tisch nicht fortgerührt. Auf sie ist Verlass. Wo findet man heutzutage noch diese stille, hingebungsvolle Treue?

(Auszug aus “12 Euro 59 Cent – oder – Der Flirt mit dem Geld”)

 
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