Wie man liebt (6) v. Hans-Jürgen John u. M. Becker

Wie man liebt (6)

Nur das Beste für die Beziehung?

Verliebt! Und nun? Kluge Menschen schreiben und reden über Liebe, Vertrauen und Ehrlichkeit in der Beziehung. Wunderschöne Worte, die oft wenig mit der täglich gelebten Realität zu tun haben. Die Zielsetzung ist klar. Das Ergebnis soll die ideale Partnerschaft sein, in der alles Negative wie weggezaubert existiert.

Im realen Alltag begegnen sich zwei Menschen mit Eifersucht, Lügen, Vorhaltungen und beurteilen sich laufend gegenseitig, um im Fall eines Streites die Oberhand zu behalten.

Wir wollen Zeit gewinnen. Wir wollen Recht behalten. Und wir sagen nein. Wir wollen so wenig Kompromisse wie möglich eingehen. Ja sagen bedeutet Schwäche zeigen und nachgeben. Ja sagen, damit kein Stillstand entsteht. Ja sagen, damit es weiter geht. Ja sagen bedeutet mitunter auch den falschen Weg akzeptieren.

Wir möchten von den positiven Seiten einer Beziehung profitieren aber die Forderungen der anderen Seite der Münze ignorieren: Die Verantwortung für den anderen wiegt uns schwer. Die geopferte Zeit und die investierten Gedanken und Gefühle lassen sich in keiner Steuererklärung aufführen. Wie schade. Doch die Liebe gibt es nicht ohne den Liebeskummer. Das Lachen gibt es nicht ohne die Tränen. Das Glück gibt es nicht ohne den Schmerz. Die Gesundheit wäre alleine ohne die Krankheit. Es gilt, alles zu akzeptieren.

Den Partner schonen?

Alle Ratgeber kommen mit den üblichen Ratschlägen daher. Anfangs hat man spontan, lustig, redegewandt und schlagfertig zu sein. Man stellt dem Partner Fragen, um herauszufinden, was er möchte und um sich richtig verhalten zu können. Es gilt, wenig von sich und seiner Vergangenheit zu erzählen. So verschont man den anderen und hebt sich die Katastrophen aus der Lebensgeschichte für später auf. Es fällt leichter später ehrlich zu sein, wenn man weiß, der andere ist schon an der längeren oder kürzeren Leine des Verliebtseins. Offenheit nach einer Zeit der Zweisamkeit bedeutet somit nicht gleichsam das Ende der Partnerschaft.

So glänzen wir also weiterhin vom ersten Satz an nicht mit der rissigen Oberfläche unserer Vergangenheit, sondern tragen die hochglanzpolierte, aalglatte, lächelnde Selbstsicherheit zur Schau, die ein ruhiges Gewissen verleiht. Wir lügen. Das ist falsch.

Ehrlichkeit und Vertrauen

Wie soll aus Liebe Vertrauen erwachsen? Ist das Fundament der Liebe mit Lügen gezimmert, kann es das Vertrauen nach mehreren Jahren der Partnerschaft kaum tragen. Erwachsen aus dem Stamm des Baumes der Liebe keine Vertrauensäste, so wird der Baum weder Blätter noch Früchte tragen. Es entstehen kaum weitere Bäume der Liebe.

So geht in Euch, Ihr zukünftigen Liebenden. Vertraut Eurem Date beim ersten Treffen alles an, was Ihr an Problemen all die Jahre angesammelt habt. Ist Euer Gegenüber ein Mensch, den Probleme nicht einschüchtern, sondern anregen diese gemeinsam mit Euch zu lösen, so seid Ihr angekommen.

Jeder Mensch ist auf der Suche. Nach dem einen, richtigen Partner unter Millionen. Lügen und verschweigen wir gleich eingangs, so verlieren wir wertvolle Zeit. Bis die Lügen über die eigenen, kurzen Beine stolpern. Und wir – wieder einsam – erkennen, wir haben uns geirrt und der Partner ebenfalls. Und so beginnen wir unsere Suche von vorne oder resignieren. Möge die Ehrlichkeit siegen. Sie ist zusammen mit der Liebe das Fundament, auf dem sich Vertrauen bilden kann. Das Geheimnis jahrzehntelanger oder lebenslanger Partnerschaft!

© 2013 Hans-Jürgen John

Hans-Jürgen John ist auf Twitter, auf Facebook und bloggt u.a. auf Johntext Schweiz.

 

Wie man liebt (1) v. Hans-Jürgen John u. M. Becker

Einleitung

Vor Jahren schrieb ich in mein Tagebuch: Ich gehe sehr gerne auf Bahnhöfe. Nirgendwo sonst sehe ich so viel Freude und Liebe in den Augen und Gesichtern der Menschen, die sich voneinander verabschieden und einander wiedersehen. Es ist, als würden wir uns im Abschied nehmen und Wiedersehen besonders bewusst, wie gern wir uns haben.

Nun wäre es schön und erstrebenswert, zeigten wir den Menschen, die wir lieben, dies jeden Tag gleichermaßen.
Jeder Fernseh- oder Kinofilm über und mit den großen Gefühlen hat seine Spannungskurve. Einmal steht es gut, einmal schlecht, einmal himmelhochjauchzend um die Liebenden. Wer denkt und fühlt da nicht mit und geht dankbar für das Happyend, hoffnungsfroh zufrieden, möglicherweise eng umschlungen mit dem Partner nach Hause?

Gefühle begleiten uns durch unser ganzes Leben. Jede und jeder war einmal oder gar mehrere Male verliebt. Wir waren glücklich lachend, wütend und weinend, hassend und traurig unterwegs. Liebend und enttäuscht, womöglich viel erwartend, dann resignierend und kurz darauf wieder im Strom des Lebens schwimmend mit all den Temperaturunterschieden im Verhältnis zu unseren Mitmenschen.
Und denken wir an die Milliarden Liebenden der Vergangenheit und Gegenwart. Werden die Liebenden der Zukunft den gleichen Gefühlswegen folgen, deren Leid wie deren Glück gleichermaßen wiederholen und durchleben?

Gefühle sind ein wichtiger Teil von uns. Wir sollten verantwortungsvolle Träger für sie sein. So wie man Wasserkanister in der Wüste transportiert, dankbar, vorsichtig, unter der Last schwitzend und schwankend und mit aller Vorfreude auf den nächsten Schluck und den Rest bewahrend oder mit anderen Durstigen teilend.

Sie sind notwendig, unsere erlebten, gedachten oder eingebildeten und gespielten Gefühlsschwankungen. Wir lernen täglich daran und daraus. Jeder beigelegte Streit verbindet uns umso stärker mit dem Partner. Sofern wir es wollen. Und wie viel Kraft liegt im Goodwill!

Wohl denen, die mitfühlende Menschen hatten, haben und haben werden, die sie an die Hand nehmen, Ratgeber und geduldige Zuhörer in einem sind.
Glücklich kann sich schätzen, wer neben der Beziehung einen zugänglichen, sich kümmernden Bekanntenkreis hat. Ein Netzwerk aus Freunden und Freundinnen, die uns auffangen, wenn wir die Partnerschaft beenden wollen, uns Kraft geben und uns dann zurück ins königliche Spiel der Gefühle auf dem glücklichen Weg zur gemeinsamen Zukunft katapultieren.

All jenen, die alleine und etwas unbeholfen auf den Weltmeeren der großen Gefühle unterwegs sind, mögen diese Zeilen gewidmet sein. Ein freundlicher Ratgeber mit allen guten Wünschen. Kurz und zusammenfassend, lobend und kritisierend wird er Ihnen womöglich überflüssigen Kummer und Leid ersparen und so mehr Zeit für glückliche, gemeinsame Stunden bescheren.

© 2011 – 2013 Hans-Jürgen John u. M. Becker

 

Wie man liebt (5) von Hans-Jürgen John und M. Becker

Wie man liebt (5)

Sie sind auf der Suche

Sie sind auf der Suche nach dem richtigen Partner. Sie zeigen es nicht. Wer signalisiert, dass er sucht, zeigt unbewusst, er hat noch nicht gefunden. Das kann beim anderen Geschlecht so ankommen, als ob etwas mit einem nicht stimme. Dieser Eindruck kann abschrecken.

5. Regel: Sie sind einzigartig. Zeigen Sie es und verhalten Sie sich so.

Beginnen Sie damit, sich unverwechselbar zu machen. Sie sind auf Partnersuche und sollen und wollen auffallen. Das kann über die Kleidung geschehen. Oder über Schmuck. Einen Ring am Daumen hat nicht jede(r). Piercings und Tattoos sind aussergewöhnlich aber auch ausgefallen und können anziehend oder abstossend wirken.

Fallen Sie aus dem Rahmen. Ein Seeräuberkopftuch oder eine schicke Schirmmütze können Pluspunkte bringen. Strähnen setzen Akzente. Eine Glatze beim Manne ist ebenso aussergewöhnlich wie es lange, gepflegte Haare sind.
Blumen schenken kann jeder. Machen Sie zum Beispiel aus Rosen ein Herz und verschenken Sie es. Schenken Sie Ihrer Herzensdame ein Poster von einer wunderschönen Rose und schreiben Sie dazu: “Diese Rose wird nie verblühen.” Machen Sie Ihrer Angebeteten klar, dass Sie Ihnen wichtig ist.

Aber demütigen Sie sich nicht. In Zeiten der Emanzipation ist es Unsinn, einer möglichen Partnerin hinterherzulaufen. Bleiben Sie auf Augenhöhe. Warten Sie ab. Wenn die andere Seite Interesse hat, wird Sie es deutlich zeigen.

© 2010 – 2013 Hans-Jürgen John und Martin Becker

Wie man liebt (4) von H.-J. John und M. Becker

Wie man liebt (4)

Der Vorschuss oder Kredit, genannt Vertrauen

Was in der Bankenwelt und im Arbeitsleben längst normal ist, wäre in der Partnerschaft manchmal nötig. Geben Sie der Person, die Sie lieben und der Sie vertrauen, Kredit. Jeder Mensch macht Fehler. Auch Sie. Jeder Mensch hat mehr als eine Chance verdient. Also auch Ihr Partner. Sie investieren in eine gemeinsame Zukunft. Sie bekommen keine Zinsen zurück. Sie bekommen Ihren Einsatz vervielfacht retour. Als Liebe zuerst oder zumindest schlimmstenfalls als späte Einsicht des Partners.

3. Regel: Seien Sie nachsichtig, vergeben Sie und üben Sie Vergessen und Vertrauen.

Jeder ist mehr oder weniger kommunikativ. Es wird sich herumsprechen, dass Sie als Mensch o.k. sind und andere Menschen – gute Menschen – werden Ihre Nähe suchen.
Es heisst gleich und gleich gesellt sich gerne. Dies trifft hier zu.
Umgekehrt ziehen sich Menschen, die Ihre Probleme nach aussen tragen, an. Das Sprichwort: „Gegensätze ziehen sich an“ trifft in der Welt des Magnetismus zu. Menschen, die in sich ruhen und den Sinn des Lebens in sich gefunden haben, suchen Gleichgesinnte und nehmen zu anderen nur Kontakt auf, weil sich das nicht vermeiden lässt oder weil sie helfen möchten.

4. Regel: Seien Sie realistisch oder draufgängerisch bei der Partnersuche

Na was ist denn das für ein Ratgeber, denken Sie sich. Ja, Sie haben tatsächlich die Wahl. Gewöhnen Sie sich schon einmal daran.

Realistisch:
Einmal angenommen Sie sind nichts, Sie haben nichts und da kommt Ihnen diese tolle, wunderbare Frau unter. Sie sprüht vor Leben, sie kann jeden Mann haben. Und Sie verlieben sich sofort.
Nur – sie ist aus gutem Hause, begütert. Würde Sie Ihnen nachgeben, wäre das ein Leben voller Verzicht an Ihrer Seite. Meinen Sie Ihre Liebe macht das alles wett? Wenn Sie sie wirklich lieben, werden Sie zu dem Schluss kommen, dass Sie der sind, der verzichten muss – auf sie.
Welch ein wundervolles Leben mit einem tollen Partner kann sie führen, wenn Sie trotz Ihrer Liebe loslassen… oder gerade deswegen. Sie werden sich mit ihr freuen, wenn Sie aus der Ferne sehen und von gemeinsamen Bekannten erfahren, dass es ihr gut geht. Sie werden mit ihr glücklich sein, wenn sie heiratet, wenn sie Mutter wird. Sie sind da, wenn Sie Probleme hat. Erkennen Sie, dass die Welt sich auch ohne Sie weiter dreht. Sie können am Glück teilhaben, ohne direkt beteiligt oder involviert zu sein.

Draufgängerisch:
Sie sehen Ihren zukünftigen Partner das erste Mal. Sie verlieben sich sofort. Alles was Sie von nun an tun zielt darauf ab, diesen wundervollen Menschen, seine Liebe, seine Gefühle, seine Gedanken, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Sie scheren sich nicht um Widerstände. Wenn es sein muss, entführen Sie den Partner direkt vor den Traualtar. Sie sind nichts, Sie haben nichts, aber das stört Sie nicht. Ihr Selbstbewusstsein ist gross genug für zwei.

Die Wahl oder die Qual der Wahl

Wie soll man denn nun sein? Realistisch oder draufgängerisch? Das Glück des Menschen ist, dass er die Wahl hat. Das grösste Unglück des Menschen ist, dass er sich entscheiden muss. Für das eine oder die eine, aber dann vermisst er das andere oder die anderen.
Wie soll man denn nun sein? Realistisch und zurückhaltend oder draufgängerisch und sich am Buffet des Lebens bedienen?
Ich sage zurückhaltend, mein Co-Autor sagt draufgängerisch. Wählen Sie selbst

© 2010 Hans-Jürgen John und Martin Becker

Wie man liebt (3) von H.-J. John und M. Becker

Wie man liebt (3)

Wenn Sie lieben, strahlen Sie diesen Zustand mit jeder Pore Ihres Körpers aus. Es umgibt Sie eine Aura, deren Anziehungskraft sich kaum ein potentieller Partner widersetzen kann. Wenn Ihre Liebe nachlässt ist das Gegenteil der Fall, das muss man akzeptieren oder auf die heilende Kraft der Zeit hoffen.

1. Regel: Hören Sie auf ihr Herz

Gute Ziele sind sehr viel stärker als bösartige Absichten. Wenn Sie gute Ziele verfolgen – Ihrem auserwählten Partner alles Schöne dieser Welt bieten zu wollen – werden Sie leichter dieses Ziel erreichen, als andere, die glauben, mittels Intrigen voran zu kommen. Doch davon später. Werfen Sie allen überflüssigen Datenballast über Bord. Merken Sie sich hier nur die Regeln. Mehr brauchen Sie sicher nicht.

2. Regel: Vertrauen Sie auf die grosse Kraft guter Ziele

Wenn wir etwas über die Liebe schreiben sollen, müssen wir sie erst mal zu beschreiben versuchen.
Wer war noch nie verliebt? Wer hatte noch nie Liebeskummer? Und wer hat noch nie über die Rätsel der Liebe gegrübelt? Sie gehört zu uns so wie der mal gute, mal schlechte, mal heisse, mal kalte Kaffee zum Gipfele oder Croissant.

© 2010 Hans-Jürgen John und Martin Becker

Wie man liebt (2) von H.-J. John und M. Becker

Die Kraft der Liebe

Was soll denn das nun? Nach “Wie man Probleme löst und Ziele erreicht” auch noch eine Anleitung zur Gefühlskanalisierung?

Schauen Sie sich um. Alles was der Mensch aufgebaut hat geschah grösstenteils aus dem Antrieb des Mannes heraus, dem weiblichen Geschlecht aufzufallen und zu gefallen und die Frauen haben das ihre beigetragen.

Wenn Sie also jemals ein Ziel haben, verknüpfen Sie es gezielt mit den Gefühlen für Ihren Partner und Sie werden erfolgreich sein. Einen grösseren Antrieb zur Zielerreichung als Liebe gibt es nicht.

Ich erinnere mich noch gut an die wunderschöne Mitschülerin mit den langen, dunklen Haaren und den braunen Rehaugen. Ich sass einige Reihen hinter ihr im Unterricht und hatte sie immer im Blickfeld. Ich dachte ununterbrochen an sie. Einmal sass ich neben ihr im Bus nach Hause und war hinterher drei Tage krank geschrieben. Natürlich vor Liebeskummer. Ihr habe ich das Abitur zu verdanken. Ich stand wie unter Strom. Wenn ich in die Klasse kam und ihr Lächeln sah, war mein Tag gerettet. Ich habe es ihr nie erzählt …

Gefühle sind viel viel älter als unsere formulierten Gedanken, viel älter als Sprache, sieht man von einigen Grunzlauten ab. Schleierhaft ist mir, wie dann einige Menschen auf die Idee kommen, Beziehungsprobleme sprachlich und mit Hilfe der Ratio lösen zu wollen: Wenn sich der Partner so verhält, müssen Sie sich so verhalten, um die Beziehung zu retten… Alles Unsinn.
© 2010 – 2013 Hans-Jürgen John und Martin Becker

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