Kategorisiere! v. H.-J. John

Menschen, die erfolgreich sind kategorisieren. Sie sehen Dich an und wissen, ob sie Dich als Mitarbeiter gebrauchen können oder nicht. Sie unterscheiden in Sekunden zwischen wichtigen Dingen und unwichtigen Lappalien.
Menschen, die erfolgreich sind haben das Schubladendenken – im positiven Sinne des Wortes – bis zur Perfektion entwickelt. Sie erledigen Probleme wie andere Brot einkaufen. Schnell und effizient.

So wollen auch wir heute einmal kategorisieren. Um ein einfaches, anschauliches Beispiel zu wählen: Ich schreibe einfach mal dahin, es gebe Menschen, die einem Gutes möchten und es gebe Menschen, die ausprobieren müssen wie weit sie bei uns bis zur Schmerzgrenze gehen können.

Unser zweiter Vorname lautet nicht auf Jesus. So lasst uns heute jenen die Stirn bieten, die unsere Gutmütigkeit ausnützen. Gutmütigkeit ist manchmal ein Stück der Dummheit, sagt man. Und morgen, belohnen wir jene, die uns Gutes tun. Ebenso nachdrücklich und mit aller Kraft.

Ich wünsche Euch ein gutes und wunderschönes Wochenende mit Menschen, die es verdienen, dass Ihr um sie seid.

© 2011 Hans-Jürgen John

Hans ist Hans John (@rafaelofirst) auf Twitter und Hans.John.16 auf Facebook. Hans bloggt auf www.johntext.de und www.tage-bau.de .

Das Märchen vom nützlichen Pferd (3) von H.-J. John

Der Kaufmann ging neugierig näher. Er war viel in Geschäften unterwegs und hatte schon viele Pferde gesehen. Neugierig schaute er zum Boxenfenster hinein und fuhr zugleich erschrocken zurück. Das Pferd hatte ihn kaum erblickt, als es mit angelegten Ohren und geblecktem Gebiss auf ihn zuschoss. Der Kaufmann konnte sich gerade noch in Sicherheit bringen.

“Das, das …das ist kein Pferd, das ist eine Bestie…haben sie das gesehen? Es wollte mich beissen. Bekommt es nicht genügend Futter?”

Der reiche Mann lächelte vergnügt. “Jetzt weiss ich was an diesem Pferd so besonderes ist. Es frisst gerne Fleisch. Sehr ungewöhnlich. An ihnen ist ja wirklich nicht viel dran”, flachste er.

Der Kaufmann machte, dass er davon kam. Noch oft erzählte er die Geschichte vom Pferd, das gerne Fleisch ass und es auf ihn abgesehen hatte.
Der reiche Mann ging nachdenklich nach Hause. So hatte sich Freddie, der Hengst noch nie verhalten. Ob er wohl krank war?

Wochen vergingen. Der reiche Mann hörte vom Kaufmann nichts mehr. Die Bezahlung für ihren Handel hatte dieser eingesteckt. Die Gegenleistung aber war er schuldig geblieben. Der reiche Mann begann zu ahnen, dass er auf einen Betrüger hereingefallen war.

Freddie, der Hengst, hatte sich wieder beruhigt. Der reiche Mann ging zu seiner Pferdebox und streichelte ihn am Hals. “Jetzt weiss ich was so Besonderes an Dir ist. Du hast sofort gemerkt, dass der Kaufmann ein Betrüger ist und wolltest ihn deshalb beissen.” Der reiche Mann seufzte. “Hätte ich das nur vorher gewusst.”

© 2010 Melanie Sauter und Hans-Jürgen John

Ein Märtyrertod? – Das exklusive Interview mit Julian Assange über Rolle und Funktion von Wikileaks von H.-J. John

I : Herr Assange…
A: Julian bitte….
I :Julian, wie geht es weiter bei Dir?
A: Das wird sich zeigen. Wir haben immer damit gerechnet, dass die Begleitumstände unserer Arbeit härter würden und haben uns darauf seit langem vorbereitet.
I : Ihr wolltet unter anderem zeigen, dass die amerikanische Regierung dem Volk verschiedene Wahrheiten vorenthält. Bist Du zufrieden?
A : Das Echo in den Medien ist gross.
I : Du wolltest die US-Regierung bei der Moral treffen. Jetzt gehen die Vorwürfe und Anschuldigungen aus dem internationalen Haftbefehl in die gleiche Richtung.
A : Wir haben viel erreicht.
I: Wie erklärst Du Dir, dass die sogenannten Whistle Blower (Geheimnisverräter, Anm. des Autors) Dir vertrauen und um die traditionellen Printmedien einen Bogen machen?
A : Die grossen Tageszeitungen haben eine wichtige Aufgabe. Sie zeigen durch die Veröffentlichungen, dass die Meinungsfreiheit über anderen Erwägungen steht: Wie wurden die Daten erlangt? Ist das Material geheim und darf nicht veröffentlicht werden?
I : Es fällt aber schon auf, dass es kaum Indiskretionen in dieser Hinsicht gab, bevor Wikileaks auftrat.
A : Die Redakteure einer Tageszeitung können nicht immer wie sie wollen. Es kommt auch mit auf die Herausgeber an.
I : …die meistens konform sind, die einen modus vivendi (verträgliches Miteinander, Anm. des Autors) mit den Obrigkeiten pflegen?
A : Dazu will ich nichts weiter sagen.
I : Als Wikileaks auftrat kamen die Printmedien in Zugzwang. Sie mussten das angebotene Material veröffentlichen, um zu zeigen, dass sie auch die Meinungsfreiheit vertreten?
A : Das sieht zumindest so aus…und um zu zeigen, dass sie auch mit im Geschäft sind. Der Kampf um die Auflagen ist für jede Zeitung überlebenswichtig.
I : Die Veröffentlichungen zielen grösstenteils in eine Richtung: Die US-Regierung. Wieso jetzt? Der aussenpolitische Schaden ist da. Die einen meinen er sei gering, die anderen sprechen von Vertrauensverlust.
A : Sie müssen sehen… wenn eine Regierung wechselt, wird nicht automatisch zugleich auch der gesamte Behördenapparat ausgetauscht.
I : Die Regierung Obama regiert teilweise noch mit den Gefolgsleuten von Bush?
A : Grob formuliert: Ja. Wir haben vor den Veröffentlichungen intern darüber diskutiert. Wir erweisen der Regierung Obama keinen guten Dienst. Obama hat unsere ganze Sympathie. Das Recht der Bevölkerung zu wissen, was vor sich geht haben wir jedoch höher eingeschätzt.
I : Euch wurde vorgeworfen, ihr hättet die Geheimdokumente nach und nach veröffentlichen sollen. Damit hättet ihr eine grössere Wirkung erzielt….
A : Das ist sicher richtig. Allerdings mussten wir uns beeilen. Niemand wusste, wann man versuchen würde uns zu stoppen. Wir wussten nur, dass dieser Zeitpunkt sicher kommen würde.
I : Seit Deiner Verhaftung haben sich viele Hacker aus der Deckung gewagt. Fast möchte man meinen, die Regierungen werden froh sein, eine Handhabe zu haben, um etliche Freizeitrevolutionäre lokalisieren zu können.
A : Und die entsprechenden Gesetze zu verschärfen. Sieh mal, als es den 11.September gab….
I : …war es ein Leichtes, die Antiterrorgesetze zu verschärfen.
A : Und was sonst nur im Kriegsrecht möglich ist….
I : …Verdächtige ohne Anklage und Gerichtsverfahren festzusetzen…
A : …wurde plötzlich möglich.
I : Ja, wird Wikileaks vielleicht instrumentalisiert? Hat man euch mal machen lassen, um danach Verbündete in der Staatengemeinschaft weltweit zu haben, die das Internet reglementieren und kontrollieren?
A : Das halte ich für eine gewagte Formulierung.
I : Es ist durchaus möglich?
A : Theoretisch ja.
I : Ich stelle mir einfach mal vor, ich würde hingehen und eine Internetplattform gründen, die Geheiminformationen sammelt. Hier in Deutschland wäre das zumindest als Anstiftung zu einer Straftat auslegbar und damit ein kriminelles Vergehen.
A : Ich kenne die Rechtsprechung in Deutschland nicht ausreichend. Wenn Du es sagst..
I : Ich bin kein Jurist. Ich stelle mir einfach mal vor, was wäre wenn…
Habt ihr euch denn nie gewundert, wieso man euch so lange gewähren liess?
A : Es gab Versuche, uns früher zu stoppen. Wir haben sogar mit einer Entführung oder einem Anschlag oder Attentat auf mich gerechnet.
I : Für eine Supermacht wie den USA theoretisch kein Problem. Ich sage nicht, dass sie es tun würden, aber wenn man die sonstige Vorgehensweisen gegen äussere Feinde verfolgt, so nimmt es Wunder, dass ein Julian Assange von Flughafen zu Flughafen jettete und spazierte – offiziell auf der Flucht und ein Gejagter – , Flughäfen, die allesamt videoüberwacht sind.
A : Sie meinen Wikileaks ist nur der Präzedenzfall, um das Internet als Bedrohung für die innere und äussere Sicherheit der Staatengemeinschaft zu kennzeichnen? Und um in diesem Fahrwasser so etwas wie eine Internetpolizei zu gründen?
Unsere Existenz und unser Wirken zeigt ja eben, dass es schwer ist, das Internet zu kontrollieren.
I : Bis jetzt zumindest. Was wenn doch?
A : Das wäre ein grosser Fehler. Die Menschen brauchen eine Spielwiese, um sich intellektuell auszutoben. In der Wirklichkeit geht das schon lange nicht mehr. Und gibt es die Ventilfunktion des Internets nicht mehr, werden viele ihre Unzufriedenheit auf andere Weise zum Ausdruck bringen.
I : Du meinst, die guten, alten Revolutionen à la 1789 n. Chr. werden wieder gesellschaftsfähig?
A : Schau Dich um. Wenn Du Erdbeermilch im Supermarkt einkaufst heisst das nicht, dass da auch nur eine Erdbeere enthalten ist. Die Menschen kümmert es nicht. Es schmeckt nach Erdbeere, das reicht. Wenn Du abends einen Actionfilm mit Jacki Chan siehst, wie fühlst Du Dich?
I : Gut.
A : Sehr gut. Du hast ab und zu die Hand zur Chipstüte bewegt und doch fühlst Du Dich, als hättest Du 49 gegnerische Kämpfer eigenhändig abgewehrt.
I : Ich kann Dir nicht folgen.
A : Ersatzbefriedigung ist das Zauberwort.
I : Surrogate?
A : Richtig. Die Menschen sind so weit, dass sie sich mit einer blossen Kopie von allem zufrieden geben. Sie brauchen die Meinungsfreiheit nicht mehr. Sie geben sich mit dem Anschein davon zufrieden. Es geht nicht mehr um den Originalgeschmack, es geht noch nicht einmal mehr um die gesunde Originalerdbeere. Wir geben uns mit irgendwelchen Geschmacksverstärkern zufrieden. Im richtigen Leben wäre Action à la Jackie Chan zu gefährlich. Uns genügt schon der Adrenalinstoss daheim auf dem Sofa, wenn wir uns einen Film anschauen. Obwohl wir wissen, dass alle Szenen gestellt sind. Diese Welt will betrogen werden.
I : Worauf willst Du hinaus? Betrügt Wikileaks seine Fans?
A : Nein. Wir liefern nur, was alle wollen. Wer möchte nicht gerne ein paar Staatsgeheimnisse kennen? Wir haben viel Unterstützung. Dabei füllen wir nur eine Funktion aus. Wir tun das, was viele gerne täten, aus existentiellen Erwägungen aber nie in Wirklichkeit ausprobieren würden. Und so geben die Menschen da draussen sich schon damit zufrieden, dass es uns gibt. Sie selbst brauchen ja nicht ihren Kopf und ihren guten Namen riskieren….
I : Wikileaks hat also eine ähnliche Funktion wie Erdbeermilch und Actionfilme à la Jackie Chan: Es soll dem Leser oder Konsumenten suggerieren, er wäre schon Teil einer grossen Sache, obwohl er lediglich zuhause am Computer sitzt und liest?
A : So ähnlich.
I : Das sind traurige Aussichten… Werdet Ihr es schaffen, das zu ändern?
A : Ich fühle mich wie Jesus, der gegen die römischen Besatzer antrat.
I : Jesus wurde gekreuzigt.
A : Was hier gerade passiert ist der Anlauf zu einem Schauprozess.
I : Bereitest Du Dich auf eine Rolle als Märtyrer vor?
A : Ich hoffe, es ist zu vermeiden.
I : Die unglaubliche Wirkung von Jesus seit ca 2000 Jahren beruht nicht zuletzt auf den Umständen seines Todes….
A : Die US-Regierung wird gut daran tun zu verhindern, dass mir etwas passiert. Ein Che Guevara hat tot bis heute mehr Wirkung erzielt, als er lebendig je hätte erreichen können.
I : Danke Dir Julian für das fiktive Interview.

© 2010 Hans-Jürgen John

Das Märchen vom nützlichen Pferd (2) von H.-J. John

Das ist so. Die Pferde waren immer Freunde des Menschen. Sie haben ihm als Reitpferd in Kriegen gedient. Sie haben ihm bei der Ackerarbeit geholfen und als Pferd vor Kutschen gab es sie auch.

Der reiche Mann liebte also Pferde über alles. Dann hatte er sicherlich ein gutes Herz?

Das ist so. Doch lass mich weiter erzählen, sonst vergesse ich wie es weiter geht im Märchen.

Also der reiche Mann hatte zwölf Pferde. Immer wieder zeigte er sie seinen Freunden und Geschäftsleuten. Er gaubte, dass alle Welt Pferde gern haben müsse, weil sie so scheue, freundliche Tiere sind und niemandem etwas zuleide tun.

Eines Tages kam ein Kaufmann von weit her. Er wollte Geschäfte mit dem reichen Mann machen. Der reiche Mann lud ihn zu sich nach Hause ein und sie tranken so manches Glas Wein zusammen. Der reiche Mann wollte den Kaufmann näher kennen lernen, bevor er mit ihm ein Geschäft machte. Der Kaufmann hatte wenig Zeit und drängte. Widerwillig gab der reiche Mann schliesslich nach. Sie besiegelten ihr Geschäft per Handschlag, wie es damals unter Ehrenmännern üblich war. Nun lud der reiche Mann den Kaufmann ein, mit ihm die Pferde anzuschauen. Der Kaufmann zögerte. Er hatte bekommen was er wollte. Doch der reiche Mann liess nicht locker.

Sie gingen zusammen in den Pferdestall und der reiche Mann stellte dem Kaufmann seine Pferde einzeln vor. Das eine Ross konnte besonders gut springen. Das andere Ross war ideal für die Dressur und sogar ein/zwei Zirkuspferde waren dabei, die auf Kommando auf die Hinterfüsse gingen und dabei mit dem Kopf nickten. Endlich waren die zwei bei dem letzten Pferd angekommen. “Und was ist an diesem Pferd so besonders? Kann es sprechen oder die Zukunft vorher sagen?” Der Kaufmann glaubte einen guten Witz gemacht zu haben und wieherte vor Lachen. Die Miene des reichen Mannes verfinsterte sich. “Nein. Ich weiss nicht was an diesem Pferd so besonders ist. Es kann nichts. Es frisst nur den ganzen Tag und schläft die halbe Nacht. Es macht doppelt so viel Mist wie die anderen und wenn es wiehert, beschweren sich noch die Leute im nächsten Dorf.”

“Wieso verkaufen sie es dann nicht?”, fragte der Kaufmann und schüttelte den Kopf. “Das weiss ich nicht. Es ist so ein Gefühl. Ich werde schon noch herausfinden was an diesem Pferd so besonders ist.” Der reiche Mann schwieg.

© 2010 Melanie Sauter und Hans-Jürgen John

Das Märchen vom nützlichen Pferd (1) von H.-J. John

Es war einmal ein reicher Mann, der besass zwölf Pferde.

Aber ein Pferd genügt doch zum reiten. Wieso denn gerade zwölf?

Das hatte sich so ergeben. Nach und nach waren es mit den Jahren mehr geworden. Auch hatte Jesus ja zwölf Jünger gehabt und so glaubte der Mann manchmal an eine heilige Bedeutung der Zahl zwölf.

Manchmal?

Ja, mit dem Glauben ist das so eine Sache. Manche denken, dass etwas glauben nützlich sei und so leisten sie ihn sich wie einen Mercedes, obwohl sie auch in einem VW oder einem Fahrrad an ihr Ziel kämen.

Dann ist Glauben so etwas wie Luxus?

Luxus ist überflüssig und es gibt ihn doch. Ich denke nicht, dass der Glauben überflüssig ist. Ich kenne Menschen, die sehr viel Kraft für sich und andere haben, weil sie fest an Gott glauben. Der Glaube gibt ihrem Leben Sinn und Ziel. Andere aber glauben, weil sie denken dann besser geschäftlich voran zu kommen. Und wieder andere meinen es könne ja nicht schaden. Wenn es Gott gibt und man glaubt, dann ist man auf der sicheren Seite, später. Wenn es ihn nicht gibt, dann macht das auch keinen grossen Unterschied für die Leute, die nur so lala glauben.

Doch zurück zu unserem reichen Mann. Er liebte Pferde über alles. Er pflegte zu sagen: Sie sind so gross und in Wirklichkeit so klein.

Was meinte er denn damit? Etwas kann nicht gleichzeitig gross und klein sein.

Ich glaube, er meinte sie seien vom Körper her gross. Klein seien sie, weil sie nicht selbst für sich sorgen können. Früher schon, als diese Welt noch nicht vom Menschen dominiert war. Heute hat es ein wild lebendes Pferd sehr schwer. Überall gibt es Zäune, Strassen, Häuser. Wie will es da zurecht kommen so ganz alleine.

Dann ist es aber gut, dass sich die Menschen um die Pferde kümmern und sie pflegen und sie füttern.

© 2010 Melanie Sauter und Hans-Jürgen John