Glück bedeutet innehalten und entscheiden von Hans-Jürgen John

Es passiert oft. So oft, dass wir einen Moment innehalten sollten. Die Zeit ist schnelllebig. Informationen, Impressionen, Menschen und Geschehnisse huschen an uns vorbei.

Meist werden wir uns erst bewusst, dass wir etwas verpasst haben, wenn der richtige Augenblick vorüber ist, auf die Bremse zu treten, Stillstand herbeizuführen und uns mit dem zu beschäftigen, wonach wir alle suchen: Glück.

Es ist vergleichbar mit der Verkehrssituation auf einer Bundesstraße. Wir sind mit mäßiger Geschwindigkeit unterwegs. Gerade so schnell, dass wir uns nicht mit Betrachtungen der Landschaft aufhalten. Unser Blick geht nach vorne. Sicherheit ist oberstes Gebot. Zumal wir oft nicht nur für uns selbst, sondern auch für Mitfahrer verantwortlich sind.

Dann kommt uns dieses graue Allerweltsauto entgegen. Zunächst beachten wir es kaum. Wozu auch? Autos auf einer Bundesstraße sind üblich. Wir tolerieren jede Marke, jede Farbe und jede Auspuffgröße. Eben auch, weil wir auf Toleranz uns gegenüber auf der Gegenseite hoffen, hoffen dürfen – oder zumindest Ignoranz.

Auch Aussagen über PS-Stärken und Geräuschpegel sind uns egal. Die Zulassungsstelle wird schon richtig entschieden haben. Dieses graue Allerweltsauto interessiert uns je näher wir ihm kommen. Unsere Geschwindigkeiten addieren sich. Es bleibt wenig Zeit sich gegenseitig ausgiebig zu betrachten. Und doch ist da so etwas wie der Funke der Sympathie, die überspringt. Je näher wir uns kommen, umso schöner springt der Sekundenzeiger in die nächste kleine Zeiteinheit. Die Zeit scheint stillzustehen, als wir uns auf gleicher Höhe begegnen und wir für einen Sekundenbruchteil Sichtkontakt zum Lenker haben.

Es ist vorbei. Wir sind wieder allein auf der Strecke. Im Rückspiegel sehen wir, wie kurz das Bremspedal aufleuchtet. Aus einem Reflex heraus treten wir ebenfalls auf die Bremse.

Eine Begegnung im Nirgendwo, die zu einem gemeinsamen Lebensweg führen könnte? Augenblicke dehnen sich unter Abwägungen. Ist hinter uns ein Wagen? Dürfen wir anhalten? Sind wir schon mit einem Partner unterwegs? Haben wir die Kraft einer fremden Person zu vertrauen? Ist uns das berufliche Lebensziel wichtiger als das Innehalten und das Glück?

Wir müssen schnell entscheiden. Wir sind auf der Zeitschiene unterwegs. Zeit ist Geld und nicht nur ein Spruch. Was ist uns wichtig im Leben? Wenn wir schnell entscheiden, können wir wenden, die eingefahrenen Trampelpfade des Alltags verlassen und uns mit dem beschäftigen was vielen als einziger Sinn im Leben gilt, die Zweisamkeit. Dann siegt die Vernunft. Wieder einmal.  Der Preis des Glücks ist zu hoch.

© 2013 Hans-Jürgen John

 
Hans-Jürgen John ist auf Twitter, auf Facebook und bloggt u.a. auf Johntext Schweiz.
 

Wie man liebt (1) v. Hans-Jürgen John u. M. Becker

Einleitung

Vor Jahren schrieb ich in mein Tagebuch: Ich gehe sehr gerne auf Bahnhöfe. Nirgendwo sonst sehe ich so viel Freude und Liebe in den Augen und Gesichtern der Menschen, die sich voneinander verabschieden und einander wiedersehen. Es ist, als würden wir uns im Abschied nehmen und Wiedersehen besonders bewusst, wie gern wir uns haben.

Nun wäre es schön und erstrebenswert, zeigten wir den Menschen, die wir lieben, dies jeden Tag gleichermaßen.
Jeder Fernseh- oder Kinofilm über und mit den großen Gefühlen hat seine Spannungskurve. Einmal steht es gut, einmal schlecht, einmal himmelhochjauchzend um die Liebenden. Wer denkt und fühlt da nicht mit und geht dankbar für das Happyend, hoffnungsfroh zufrieden, möglicherweise eng umschlungen mit dem Partner nach Hause?

Gefühle begleiten uns durch unser ganzes Leben. Jede und jeder war einmal oder gar mehrere Male verliebt. Wir waren glücklich lachend, wütend und weinend, hassend und traurig unterwegs. Liebend und enttäuscht, womöglich viel erwartend, dann resignierend und kurz darauf wieder im Strom des Lebens schwimmend mit all den Temperaturunterschieden im Verhältnis zu unseren Mitmenschen.
Und denken wir an die Milliarden Liebenden der Vergangenheit und Gegenwart. Werden die Liebenden der Zukunft den gleichen Gefühlswegen folgen, deren Leid wie deren Glück gleichermaßen wiederholen und durchleben?

Gefühle sind ein wichtiger Teil von uns. Wir sollten verantwortungsvolle Träger für sie sein. So wie man Wasserkanister in der Wüste transportiert, dankbar, vorsichtig, unter der Last schwitzend und schwankend und mit aller Vorfreude auf den nächsten Schluck und den Rest bewahrend oder mit anderen Durstigen teilend.

Sie sind notwendig, unsere erlebten, gedachten oder eingebildeten und gespielten Gefühlsschwankungen. Wir lernen täglich daran und daraus. Jeder beigelegte Streit verbindet uns umso stärker mit dem Partner. Sofern wir es wollen. Und wie viel Kraft liegt im Goodwill!

Wohl denen, die mitfühlende Menschen hatten, haben und haben werden, die sie an die Hand nehmen, Ratgeber und geduldige Zuhörer in einem sind.
Glücklich kann sich schätzen, wer neben der Beziehung einen zugänglichen, sich kümmernden Bekanntenkreis hat. Ein Netzwerk aus Freunden und Freundinnen, die uns auffangen, wenn wir die Partnerschaft beenden wollen, uns Kraft geben und uns dann zurück ins königliche Spiel der Gefühle auf dem glücklichen Weg zur gemeinsamen Zukunft katapultieren.

All jenen, die alleine und etwas unbeholfen auf den Weltmeeren der großen Gefühle unterwegs sind, mögen diese Zeilen gewidmet sein. Ein freundlicher Ratgeber mit allen guten Wünschen. Kurz und zusammenfassend, lobend und kritisierend wird er Ihnen womöglich überflüssigen Kummer und Leid ersparen und so mehr Zeit für glückliche, gemeinsame Stunden bescheren.

© 2011 – 2013 Hans-Jürgen John u. M. Becker